Natur begegnen

Outdoorexperte Marius Sinn im Gespräch

Nora Schleich

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June 2022

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Die ErwuesseBildung hat eine neue Outdoor-Eventreihe (Mai-Oktober) ins Leben gerufen. Sie umfasst unter anderem Kräuterwanderungen, Orientierungstouren in der Natur oder auch Pilzsammlungen. Veranstaltungsleiter ist Kräuterexperte Marius Sinn von krautkind.de. Wir haben ihn gefragt, was man auf seinen Wanderungen erwarten kann und worum es eigentlich bei diesen Aktivitäten geht.  

Was erwartet die Teilnehmer bei einer Wanderaktivität?

Marius Sinn: "Die Leute können die einheimische Natur mit anderen Augen begegnen. Es geht darum, die Pflanzen einzeln wahrnehmen zu können; es ist nicht alles einfach nur grün oder alles Unkraut. In diesem Meer von Grün werden wir einzelne Arten bestimmen, detaillierte Bestimmungsmerkmale kennenlernen und so die Pflanzen auch wieder erkennen. So geht man eine andere Beziehung zu den Pflanzen ein. Die essbaren Wildpflanzen werden wir gleich verwerten, die Blätter und Blüten werden gekocht oder roh verwendet. Während der Wanderung kommt es zu einer ersten geschmacklichen Berührung. Wie schmeckt mir wilder Oregano? Alle Sinne sind hier einbezogen: der Geruch und Tastsinn sind auch gefragt. Ich lege Wert auf die Wildpflanzen, die viele nahrhafte Inhaltsstoffe haben, wie Spitzwegerich, Brennnessel undLöwenzahn. Die wachsen ziemlich überall und man kann von ihnen häufig essen. Es reicht auch vollkommen aus, wenn die Teilnehmer fünf bis zehn Pflanzen sicher kennen und mitnehmen, sodass sie diese auch zu Hause sammeln können. Eine Überforderung mit zu vielen neuen Informationen vermeide ich."

 

Mir ist die Sicherheit der Menschen und auch der Pflanzen wichtig. Deswegen gehe ich auch auf möglicherweise giftige Doppelgänger oder problematische Inhaltsstoffe der essbaren Pflanzen ein. Um die Sicherheit der Pflanzen zu gewährleisten, gilt es sich entsprechend vorsichtig zu bewegen, wie trete ich, wie sammele ich? Wie kann der Bestand derPflanzen eingeschätzt werden? Der Sammler sowie die Gesammelten sollen am Leben und in Sicherheit bleiben.

 

Warum machst du diese Aktivitäten? 

Marius Sinn: "Wir haben durch die moderne Landwirtschaft eine relativ negative Einstellung zu Unkraut bekommen. Ist es Unkraut nur weil es ungewünscht ist? Will der Bauer auf dem Feld nur Mais haben, nur Weizen? Sobald da andere Pflanzen wachsen, gilt es als Unkraut. Wir haben es uns über die Jahre sehr leicht gemacht und die Pflanzen bekämpft. Die Hobbygärtner sind dabei die Hauptquelle der Grundwasserverschmutzung. Die Landwirtschaft muss sich an genaue Angaben halten, da darf man nicht so viel pro Hektar verwenden. Ein privater Hobbygärtner schüttet tatsächlich eine solche Übermenge an Gift auf die Pflastersteine, mit der ein Landwirt hunderte an Hektar besprühen würde. Das ist eine noch recht unbekannte Wahrheit.

Doch wie wäre es nicht zu spritzen und die Pflanzen als essbar zu betrachten? Sie zu ernten, wenn sie zu ernten sind? Dann hätte man eine gute Ergänzung zur täglichen Mahlzeit und direkt auch gejätet. Ich möchte darauf hinweisen, dass diese Pflanzen wertvoll sind. Sie kommen von allein, sind zu Hause im Garten und man braucht sie nur wieder zu erkennen oder eventuell umzupflanzen, wenn sie ungünstig vorgekommen sind. Also kein ständiges Bekämpfen. Optimal wäre es bei einer Party nicht mit dem perfekten Rasen anzugeben, sondern die wilde Ecke im Garten zu zeigen! Richtig verwerten und Sammeln fängt schon im eigenen Garten an.

Letztendlich geht es darum, dass man die Wildpflanzen kennenlernen, sicher bestimmen und sammeln kann und ihnen im eigenen Garten auch eine Ecke einräumt!"

Die Wanderungen mit Marius Sinn finden Sie bei unseren Evenements!